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Auf dieser Seite erfahren Sie Wichtiges und Neues rund um das Zentrum für Synthetische Mikrobiologie sowie von SYNMIKRO veranstaltete Kongresse, Seminare, Workshops und Tagungen.

Wissenschaftsrat empfiehlt Förderung des SYNMIKRO-Forschungsbaus

11. April 2014 |  Bei seiner Frühjahrssitzung in Darmstadt hat der Wissenschaftsrat den Antrag für den Forschungsbau des LOEWE-Zentrums für Synthetische Mikrobiologie (SYNMIKRO) als Vorhaben von überregionaler Bedeutung zur gemeinsamen Bund-Länder-Förderung empfohlen. Damit erhält die Philipps-Universität Marburg nach dem Sprachatlas und dem Zentrum für Tumor- und Infektionsbiologie bereits zum dritten Mal in fünf Jahren den Zuschlag für ein Gebäude in diesem hochkompetitiven Verfahren. Der Forschungsbau für SYNMIKRO ist mit Baukosten von circa 50 Millionen Euro eines der größten zur Förderung empfohlenen Bauvorhaben. „SYNMIKRO hat sich innerhalb weniger Jahre zu einem international sichtbaren Forschungszentrum entwickelt“, erklärt Universitätspräsidentin Professorin Dr. Katharina Krause. Dies sei für den Erfolg im Antragsverfahren entscheidend gewesen. „Mein Dank gilt allen Beteiligten, insbesondere den antragstellenden Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen und dem Dezernat für Gebäudemanagement und Technik der Universität, das die baulichen Aspekte des Antrags koordiniert hat, sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hessischen Baumanagements (hbm) und des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst (HMWK), die uns bei der Antragsvorbereitung hervorragend unterstützt haben“, fährt sie fort.

„Es ist ein fantastischer Erfolg für Marburg, bei all der harten Konkurrenz in diesem Verfahren dieses überdurchschnittlich große Forschungsgebäude durchgesetzt zu haben“, meint Professor Dr. Roland Lill, der den Antrag vor dem Expertengremium des Wissenschaftsrates vertreten hatte. Damit erhält das seit 2010 im Rahmen der hessischen LOEWE-Initiative geförderte Zentrum die langersehnten Räumlichkeiten, in denen die neu eingerichteten Arbeitsgruppen und mehrere bisher auf andere Standorte verteilte Gruppen unter einem Dach zusammengeführt werden. Eine Besonderheit des Forschungsbaus wird sein, dass sowohl biologisch-chemisch als auch theoretisch-modellierend arbeitende universitäre Gruppen und die eigens für SYNMIKRO eingerichtete vierte Abteilung am Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie einziehen werden. „Die kurzen Wege und die räumliche Nähe sind für unsere interdisziplinären Forschungsaktivitäten besonders wichtig“, betont Professor Dr. Bruno Eckhardt, der Geschäftsführende Direktor des Zentrums.

Im Zentrum für Synthetische Mikrobiologie wird untersucht, inwieweit sich Konzepte der Modularisierung und Standardisierung, wie sie in den Ingenieurwissenschaften etabliert sind, auf die Funktionsweise von Zellen übertragen lassen. So werden zelluläre Teile und Prozesse nachgebaut und zu Modulen zusammengefasst, die dann flexibel zu komplexeren funktionellen Einheiten kombiniert werden können. Weiterhin wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Zentrum eine quantitative und theoretisch modellierende Beschreibung zellulärer Vorgänge entwickeln. Damit soll einerseits ein molekulares Verständnis zellulärer Prozesse in bisher unbekannter Qualität erreicht und andererseits die Grundlage für zukünftige Technologien gelegt werden, die das Design und die Synthese von neuartigen, in dieser Form nicht aus der Natur bekannten Zellen mit vordefinierten Eigenschaften ermöglichen.

Die Gesamtinvestitionen belaufen sich voraussichtlich auf rund 61 Millionen Euro. Davon entfallen circa 51 Millionen Euro auf die Erstellung des Gebäudes, 4,3 Millionen Euro auf die Ersteinrichtung und 5,3 Millionen Euro auf den Erwerb von Großgeräten. Der Bund wird auf der Basis der Begutachtung durch das Expertengremium und der Empfehlung des Wissenschaftsrates nach der Förderentscheidung durch die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz des Bundes und der Länder einen Anteil von 25 Millionen Euro übernehmen, das Land Hessen trägt 36 Millionen Euro.

Der geplante Neubau wird in zentraler Lage auf dem naturwissenschaftlichen Campus Lahnberge in direkter Nachbarschaft zu den Fachbereichen Chemie, Biologie, Mathematik und Informatik sowie zum Max-Planck-Institut entstehen. In der Nähe liegen weiterhin das neue Zentrum für Tumor- und Immunbiologie, das erste aus dem Förderprogramm bewilligte Gebäude, der kurz vor der Fertigstellung stehende Neubau für die Chemie und das Biomedizinische Forschungszentrum, in das auch das BSL4-Labor des Instituts für Virologie integriert ist.

Der Forschungsbau wird eine Hauptnutzfläche von rund 6.000 qm haben. Der weitaus größte Teil wird von den mikrobiologisch und chemisch arbeitenden Gruppen genutzt werden; rund die Hälfte wird auf Labor- und Geräteräume entfallen. Um räumlich und zeitlich hochauflösende Verfahren für die Untersuchung von Mikroorganismen zur gemeinschaftlichen Nutzung zur Verfügung stellen zu können, sollen zentrale Serviceeinheiten für Licht- und Elektronenmikroskopie ausgebaut werden. Das geplante Cryo-Elektronenmikroskop soll die dreidimensionale Rekonstruktion ultrafeiner Zellstrukturen sowie gereinigter Proteinkomplexe und damit Einblicke in den Aufbau einer Zelle in bisher unerreichtem Detail ermöglichen.
(Text: Vera Bettenworth)

 

Fotos: stehen zum Download bereit unter www.uni-marburg.de/aktuelles/news/2014b/zellstrukturen 
Das super-auflösende STED-Mikroskop macht sichtbar, wie lebende Zellen im Inneren organisiert und aufgebaut sind. So können z.B. elementare Zellstrukturen und Molekül-Dynamiken lebender Bakterien beobachtet und quantifiziert werden. Die Wissenschaftler der AG Graumann bei SYNMIKRO erhalten dadurch Einblicke in das Zusammenspiel kleinster Zelleinheiten (Foto: Hessen schafft Wissen/Thomas Ernsting).

Christine Weber (AG Bölker/AG Bauer) beim Animpfen von Hefezellen (Foto: AG Bölker/Markus Farnung).www.uni-marburg.de/aktuelles/news/2014b/pipette 

 

Weitere Informationen:

http://www.synmikro.com

Mitteilung der Oberhessischen Presse (OP) vom 12. April 2014

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Bruno Eckhardt, Geschäftsführender Direktor des LOEWE-Zentrums SYNMIKRO
Tel: +49 (0)6421 28- 21316
E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!  

Erfolgreicher Abschluss des Diskussionsmeetings 2014

Zum ersten Mal fand vom 17. Bis 19. März das Diskussionsmeeting der „Microbial Cell Biology 2014“ der entsprechenden VAAM-Fachgruppe mit insgesamt 41 Teilnehmern aus Deutschland sowie den Niederlanden im malerischen Schloß Rauischholzhausen statt.

Entstanden war die Idee hierzu bei einem Mini-Symposium der Fachgruppe anlässlich der VAAM Jahrestagung im März 2013 in Bremen. Das Diskussionsmeeting sollte hierbei in erster Linie dazu anregen, sich mit den Erkenntnissen, welche aus dem Zusammenspiel molekularbiologischer Methoden und der Entwicklung neuer Präparations- und Abbildungstechniken in den vergangenen Jahren gewonnen wurden, auseinanderzusetzen und neue Konzepte und Ideen zu erarbeiten.

Hierzu hatten die Sprecher der Fachgruppe Dr. Harald Engelhardt und Dr. Andreas Klingl zahlreiche namhafte Sprecher gewinnen können. So berichtete Prof. Hildgund Schrempf (Universität Osnabrück) über die Strategien von Streptomyceten bei der Interaktion mit anderen Organismen und Prof. Manfred Rohde (Universität Braunschweig) über das Eindringen von Streptokokken in Wirtszellen. Thematisiert wurden darüber hinaus auch die Bildung von Gasvesikeln in Haloarchaeen durch Prof. Felicitas Pfeifer (TU Darmstadt), die äußerst komplexe Zellstruktur der Planctomyceten (u.a. Dr. Christian Jogler (Braunschweig), Sarah Neumann und Muriel van Teeseling (Nijmegen, NL) sowie die Biosynthese von Magnetosomen durch Prof. Dirk Schüler (LMU München) und Kollegen.

Sehr erfreulich war auch die rege Teilnahme zahlreicher Mitgliedern aus SYNMIKRO an dem Meeting: Prof. Martin Thanbichler und Dr. Kristina Jonas berichteten über die Zellteilung in Caulobacter, Prof. Peter Graumann über die Darstellung des bakteriellen Cytoskeletts mittels hochauflösender Fluoreszenzmikroskopie, Prof. Lars-Oliver Essen über die molekulare Adhesion von Hefen und Prof. Lotte Søgaard-Andersen über die Zellteilungsmaschinerie und deren Zielsteuerung zur Zellmitte bei Myxobakterien.

Nicht nur wegen des rustikalen Ambientes im Schloß Rauischholzhausen und den ausgiebigen und anregenden Diskussionsrunden, sowohl bei den Vorträgen wie auch abends im dazugehörigen Schloßkeller, waren sich alle Teilnehmer am Ende einig: Es wird auf jeden Fall eine Fortsetzung „Microbial Cell Biology 2016“ geben.

Dr. Andreas Klingl

 

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Das Discussion Meeting wurde unterstützt durch:

Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM), Frankfurt / Main

LOEWE-Zentrum für Synthetische Mikrobiologie (SYNMIKRO), Marburg

SYNMIKRO im TV - Wissen vor Acht

 

Am 8.4.2014 zeigen Dr. Christof Taxis vom Fachbereich Biologie, Arbeitsgruppe Molekulare Genetik und Prof. Dr. Lars-Oliver Essen, Fachbereich Chemie in der ARD Sendung Wissen vor Acht Zukunft, wie mit Hilfe von Hefezellen das Fotografieren möglich ist. Hintergrund ist eine Publikation in "Chemistry and Biology", über die wir bereits auf unserer Webseite berichteten
(link: http://www.synmikro.com/de/aktuelles/news/495-fotografieren-mit-hefezellen.html  ).

Termin: 8.4.2014, ab 19:45 Ausstrahlung im ARD in der Sendung "Wissen vor acht Zukunft"

 

Das Video ist nach dem 8.4.2014 in Das Erste - Mediathek - Wissen vor acht Zukunft abrufbar.

Membrantransporter mit wasserlöslichem Liganden

Gestörte Bindung mit Anämie und Leukämie-Vorstufe assoziiert

Die Röntgenkristallstruktur des ABC-Transporters Atm1 (Quelle: Science)Sowohl in Bakterien als auch in höheren Lebewesen sind an vielen Enzymreaktionen sogenannte Eisen-Schwefel-Cluster als Kofaktoren beteiligt. Damit die entsprechenden Eisen-Schwefel-Proteine im Zellinneren gebildet werden können, ist auch ein Transporter in der Innenmembran der Mitochondrien nötig, der sogenannte ABC-Exporter Atm1. Mutationen im Gen dieses Exporters sind beim Menschen die Ursache für die sogenannte X-chromosomale sideroblastische Anämie, eine seltene Erbkrankheit, die mit einer Eisen-Akkumulation in den Mitochondrien, einer reduzierten Aktivität von cytosolischen Eisen-Schwefel-Proteinen und Defekten im Häm-Stoffwechsel einhergeht; eine verringerte Expression dieses Gens wurde zudem mit der refraktorischen Anämie in Verbindung gebracht, einem Tumor des Knochenmarks, der sich zu einer akuten Leukämie entwickeln kann. Nun haben Vasundara Srinivasan, Antonio J. Pierik und Roland Lill vom Institut für Zytobiologie der Universität Marburg und dem LOEWE-Zentrum für Synthetische Mikrobiologie die dreidimensionale Struktur dieses Transporters Atm1 der Hefe Saccharomyces cerevisiae mittels Röntgenkristallographie aufgeklärt und in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht.

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Ein Rückholbarkeitsdilemma par excellence

Dritter Teil der Reihe „Synthetische Biologie im Dialog“

04.02.2014 | Im Februar hat im Marburger Chemikum die dritte und vorläufig letzte Veranstaltung der Reihe „Synthetische Biologie im Dialog“ stattgefunden. Thema des Abends war das Verhältnis der Begriffe „natürlich“ und „synthetisch“. In Philosophie und Theologie sei diesbezüglich auch häufig von „Gewachsenem“ und „Gemachtem“ die Rede, sagte der Marburger Theologe Prof. Dr. Friedemann Voigt, der Initiator der Veranstaltungsreihe, bei der Begrüßung. Dieses Gegensatzpaar soll laut Voigt auch zum Ausdruck bringen, dass alles vom Menschen Gemachte natürliche Ressourcen voraussetzt und diese Ressourcen durch das menschliche Handeln nicht zerstört werden sollten.

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